AP 5100 [DST]

Konzeptionierung des Steuerstands

Bei der Konzeptionierung des Steuerstandes müssen zwei Aspekte berücksichtigt werden: Einerseits soll der Steuerstand so ergonomisch wie möglich ausgeführt werden, andererseits muss er ausgebildeten Schiffsführern soweit vertraut sein, dass das Umlernen und die sichere Bedienung nach angemessener Trainingszeit möglich sind. Das Bedienkonzept muss möglichst intuitiv sein. Die räumliche Anordnung der Anzeige und Bedienelemente, die Darstellung der Informationen und das Steuer/Bedienkonzept, erfolgt deshalb in Abstimmung mit den Reedereien, die als assoziierte Partner mitwirken, und mit den Vorschriftengebern.

Der Schiffsführer soll am Steuerstand dadurch entlastet werden, dass er nicht durch unnötige Informationen überfrachtet wird, d.h. dass die Darstellung der Informationen situationsgerecht erfolgt.

Informationen, die sich laufend ändern, werden immer dargestellt. Informationen, die nur der Überwachung dienen, treten im Regelbetrieb in den Hintergrund bzw. werden ausgeblendet. Der Schiffsführer hat immer die Möglichkeit jede gewünschte Information sich anzeigen zu lassen. Denkbar ist auch die Vordefinition von verschiedenen Darstellungskonfigurationen, die der Schiffsführer aufrufen kann. Ein wichtiger Punkt sind die Warnsysteme und die Umsetzung der Notfallprozeduren. Hier sollen verschiedene akustische, optische und haptische Techniken für die Warnelemente getestet werden.

Die Steuerung eines konventionellen Schiffs erfolgt von der Brücke aus. Analog wird auch die Darstellung für den Schiffsführer im Steuerstand aus der Umweltdarstellung („Sicht aus dem Fenster“) sowie der Darstellung der Brücke umgesetzt. Die jeweilige Anordnung der Darstellungselemente ist dementsprechend ähnlich einem konventionellen Schiff umzusetzen. Da der Funktionsumfang des Steuerstandes allerdings über die Bedienung eines Einzelschiffs hinausgeht, sind zusätzliche Darstellungen, zum Beispiel durch umschaltbare Displays vorzusehen. Aus dem gleichen Grund sind zusätzliche haptische Bedienelemente (Knöpfe, Hebel, etc.) vorzusehen, welche zusätzlich benötigte Funktionen, wie zum Beispiel eine Kamerasteuerung ermöglichen. Der entfernt arbeitende Schiffsführer erhält über die Auslösung von Funktionen zunächst nur visuelle Informationen. Die Rückmeldung von Bedienelementen, also ausgelösten Funktionen (zum Beispiel die Aktivierung des Wendegeschwindigkeitsreglers) und Parameteränderungen (z.B. Propellerdrehzahl) sollte dementsprechend bei Bedarf auch akustisch und/oder haptisch an den entfernten Schiffsführer transportiert werden.

Nachdem die Konzeptionierung der funktional nötigen Bedien- und Darstellungselemente abgeschlossen ist, werden diese in virtualisierbare und nicht virtualisierbare Elemente unterteilt. Die virtualisierbaren Elemente werden anschließend lediglich grafisch dargestellt. Darunter fallen voraussichtlich insbesondere visuelle Darstellungen, wie Radar, Karte und AIS. Zusätzlich sind allerdings

auch virtuelle Bedienpults denkbar, die zum Beispiel als Touchscreen oder auch mit Hilfe von Gestensteuerung umsetzbar sind.

Im Anschluss an die Festlegung und Kategorisierung der Darstellungs- und Bedienelemente werden Zusatzfunktionen, mit Hilfe von Mixed Reality (MR), also Augmented Reality (AR) bzw. Augmented Virtuality (AV) konzeptioniert. Beispiele können in diesem Fall Highlights (Teileinfärbungen von Kamerabildern) oder auch Zusatzinformationen (Texteinblendungen an Schiffen) sein.

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